Baer, Udo 

Wo geht's denn hier nach Königsberg?

Wie Kriegstraumata im Alter nachwirken und was dagegen hilft

Semnos Taschenbuch

Seiten: 128

Jahr: 2010

Auflage: 2.

ISBN Nummer: ISBN 978-3-934933-34-7

Format: kartoniert

11,95 € inkl. MwSt.

Beschreibung / Inhaltsübersicht

Zwei von drei Menschen, die 1946 und vorher geboren sind, haben traumatische Erfahrungen erleben müssen. Als Zeugen oder als unmittelbar Betroffene, als Erwachsene oder als Kinder. Flucht, Bomben, Todesgefahr, Vergewaltigung, Verlust von Angehörigen und Freunden ... Mit diesen Erfahrungen blieben die Menschen lange allein. Die Folgen verharrten oft lange im Verborgenen, im Alter brechen sie auf. Warum und wie dies geschieht, beschreibt Dr. Udo Baer anschaulich und für alle verständlich. Er zeigt anhand langjähriger Erfahrung auf, was hilft: vor allem die vier Zauberworte „Du bist nicht allein!“ Ein Buch für Betroffene, Angehörige, Pflegende und alle, die verstehen wollen, was viele alte Menschen wirklich bewegt.
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Rezensionen

Dr. habil. Ulrich Pittelkow, 07. Juni 2010:
Der Autor beschreibt vor allem Nachwirkungen von Kriegstrauma im Alter und Möglichkeiten zu deren Linderung. Trauma und Demenz, die vorwiegend im Alter auftreten, können oft auf unterschiedliche Kriegsein- und -nachwirkungen des 2. Weltkrieges oder andere katastrophale Ereignisse zurückgeführt werden, wie z.B. Kampfhandlungen,Bombenangriffe, Verschleppungen und Vertreibungen. Dafür werden vielerelei Beispiele angeführt. Die meisten heute noch lebenden Menschen haben diese oft schrecklichen Ereignisse als Kinder oder Jugendliche erlebt. Sie wurden während des Berufslebens und anderer Umstände vielfach verdrängt und treten erst im Alter, wenn die Anspannungen fehlen, verstärkt zu Tage.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Demenz und Trauma werden dargestellt. Auch über die Vorgänge in Gehirn und Körper wird berichtet.
Die Bezeichnungen Trauma, Demenz, Alzheimer und weitere sind im Buch erklärt.
Im letzten Abschnitt wird auf Hilfen für die Patienten und Behandlungen derselben eingegangen. Im Vordergrund steht dabei, die Ursachen zu ergründen, Verständnis und Mitgefühl durch Zuhören zu zeigen sowie die Betroffenen ausreden, auch "austoben" zu lassen. Das Buch gibt Hinweise für Pflegende, Angheörige, Therapeuten und Betroffene. Es kann so ein wichtiges Hilfsmittel für alle diese Personengruppen sein.
G. Schotte, Münster 2010, 04. August 2010:
Schon der Titel des Buches ist vielen aus der Begleitung älterer Menschen nur allzu sehr vertraut. Steht er doch beispielhaft für das Erleben einer ganzen Generation, das geprägt durch Kriegswirren ein unvorstellbares Ausmaß an Leid und traumatischem Erleben beinhaltet. So beginnt Udo Baer in seinem ersten Kapitel auch mit den Facetten des damaligen Überlebens-kampfes. Er beschreibt anschaulich, durch viele praktische Beispiele, die direkten Verknüpfungen zu heutigem Verhalten und Reaktionen der Betroffenen. Durch kleine überschaubare Exkursionen zum damaligen Kriegsgeschehen werden die Wurzeln dieses Verhaltens noch deutlicher und bieten dem Leser so die Chance, Wissenslücken zu ergänzen und ein besseres Verständnis aufzubauen. Die generellen Ausführungen zum traumatischen Erleben, ergänzen, gut nachvollziehbar, das weitere Verständnis für die langfristigen Folgen, dieses in Nachkriegszeiten so tabuisierten Themas.
Es zeichnet die achtsame Herangehensweise des Autors zu diesem Thema aus, das er Gefühle wie Schuld und Scham nochmal besonders in den Focus nimmt. So hebt er nachhaltig die erforderliche einfühlsame Haltung hervor, mit der dieses Thema im Alltag begleitet werden sollte. Seine anschliessenden Ausführungen zum Alter und insbesondere in der Begleitung dementer Menschen machen deutlich, das sinnliche Angebote sowohl fördern, wie aber auch fordern können, wenn sie triggern und ihre Ursachen in kriegstraumatischen Zusammenhängen haben. Sein naheliegendes Fazit ist daher auch die Forderung einer annehmenden und zulassenden Haltung aller Begleitenden, auf dem Boden der Auseinandersetzung mit kriegstraumatischen Ereignissen. So haben aus Sicht Udo Baers Ablenkung und Ignoranz keinen Raum mehr. Typisch für ihn belässt er es nicht bei der Benennung dieser Forderung, sondern zeigt dem Leser anhand vieler praktischer Beispiele Möglichkeiten auf, welche allesamt kriegstraumatisches Erleben achtsam aufgreifen und stützend begleiten.
Dieses fachlich kompakte und dennoch überschaubar gestaltetete Buch berührt Betroffene, die sich so gesehen fühlen und es ist eine nachdrückliche Empfehlung für alle, die Menschen in ihrem letzten Lebensdrittel biografisch würdigend begleiten möchten!
G. Alandt, Ratingen, 2010, 15. Oktober 2010:
Ich habe das Buch in einem Zug gelesen und es hat mich sehr bewegt. Udo Baer hat es geschafft, dass unermessliche Erleben kriegstraumatisierter Menschen fassbar zu schreiben; die Schicksale und die geschichtlichen Fakten, ohne dass man als Leser/in in das Leid zu sehr eintauchen muss. Im Nachklang bleibt Zuversicht, Mut und Hoffnung. Die Zuversicht, dass Wissen und Verstehen hilft - es gibt einen Weg. Den Mut, haltgebend und stärkend in der Begegnung mit kriegstraumatisierten Menschen zu sein - Udo Baer zeigt Wege auf, ihnen achtsam und würdigend zu begegnen, ohne zu verdrängen und sich selbst dabei zu vergessen. Ich habe die Hoffnung und den Wunsch, dass alle Menschen um das Tröstende und Heilende dieser Wege wissen und diese Wege dann auch beschreiten. Wo geht's denn hier nach Königsberg?, wird für sehr viele Menschen die Chance sein, ihren Lebensweg in Würde , Achtung und Be-Achtung weiterzugehen.
Freya Rickert; ekz.bibliotheksservice GmbH; Reurlingen; 2010, 15. Oktober 2010:
Der Leibtherapeut und Herausgeber der Studie "Innenwelten der Demenz" (Affenkönig-Verlag, 2008; "Das Herz wird nicht dement", BA 12/09) will mit dieser sensiblen Einführung Verständnis wecken für Kriegstraumata, unter denen 2 von 3 Menschen leiden, die 1946 und vorher geboren worden sind. Sie überlagern sich im Alter oft mit demenziellen Erkrankungen. Anhand vieler Fallbeispiele zeigt er, wie zum Kriegsdienst Eingezogene, Bombenopfer, Hungernde, Vergewaltigte, Vertriebene und Teilnehmer der Landverschickung ihre Kriegserfahrungen unbearbeitet verdrängt haben und in welcher Form sie im Alter wieder zu Tage treten. Ferner klärt er auf, was Traumata sind, und liefert handfeste Zahlen und Fakten über ihre Ursachen im 2. Weltkrieg und danach. Ein stark unterschätztes Problem, über das viele Bibliotheken informieren sollten. Überzeugend und gut nachvollziehbar geschrieben. Mit
konkreten Wegen der Hilfe, die Betroffene, Angehörige und Pflegende beschreiten können. Ergänzend zu Wolfgang Schmidbauer: "Er hat nie darüber geredet" (BA 11/08) und Svenja Goltermann: "Die Gesellschaft der Überlebenden" (BA 3/10). (2)

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